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<title>Nietzsche-Rezeption</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Nietzsche-Rezeption</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Dieser Artikel behandelt die <b>Nietzsche-Rezeption</b>. Das Werk des Philosophen <a href="Friedrich_Nietzsche" title="Friedrich Nietzsche">Friedrich Nietzsche</a> hat seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine ungewöhnlich vielfältige Wirkung entfaltet.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wirkungsgeschichte">Wirkungsgeschichte</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Frühe_Rezeption_und_das_Nietzsche-Archiv"><span id="Fr.C3.BChe_Rezeption_und_das_Nietzsche-Archiv"></span>Frühe Rezeption und das Nietzsche-Archiv</h3></div>
<p>Erst nach Beginn seiner geistigen Umnachtung begannen sich Nietzsches Zeitgenossen für den bis dahin praktisch unbekannten Denker zu interessieren. Als erster Entdecker Nietzsches gilt <a href="Georg_Brandes" title="Georg Brandes">Georg Brandes</a>, der im Frühjahr 1888 an der <a href="Universit%C3%A4t_Kopenhagen" title="Universität Kopenhagen">Universität Kopenhagen</a> eine Vortragsreihe über ihn hielt und noch bis zu Nietzsches Zusammenbruch im Januar 1889 in <a href="Turin" title="Turin">Turin</a> in brieflichem Kontakt mit ihm blieb. Nietzsches fulminanter Stil wirkte dann, etwa gleichlaufend mit der <a href="Jugendbewegung" title="Jugendbewegung">Jugendbewegung</a>, weit in die deutsche Intelligenz hinein. Unterschiedlichste Gruppierungen ließen sich von Nietzsches Werk beeinflussen. Darunter zählten auch frühe Vertreter des Zionismus wie <a href="Theodor_Herzl" title="Theodor Herzl">Theodor Herzl</a>, der sich allerdings von Nietzsches Persönlichkeit bald distanzierte.
</p>

<p>Nietzsches Schwester <a href="Elisabeth_F%C3%B6rster-Nietzsche" title="Elisabeth Förster-Nietzsche">Elisabeth Förster-Nietzsche</a> versuchte bald, als Inhaberin des 1894 in Naumburg gegründeten, ab 1897 in Weimar ansässigen <a href="Nietzsche-Archiv" title="Nietzsche-Archiv">Nietzsche-Archivs</a>, maßgeblichen Einfluss auf die rasch anwachsende und widersprüchliche Rezeption zu nehmen. Sie verbreitete ein Bild ihres Bruders, das ihn einerseits als Person mythifizierte, andererseits seinen Lehren, so wie sie sie verstand, zu Popularität verhelfen sollte. Sie verfügte über die Gesamtausgabe, schrieb eine offizielle Biographie mit ihrer eigenen Deutung des Werks und gab eine selektive und tendenziöse Kompilation von Nachlassmaterial unter dem Titel <i><a href="Der_Wille_zur_Macht" title="Der Wille zur Macht">Der Wille zur Macht</a></i> heraus. Im ebenfalls von ihr herausgegebenen Briefwechsel Nietzsches wurden später Fälschungen, Auslassungen und Hinzufügungen durch ihre Hand nachgewiesen. Schon früh bildete sich als Gegenstück zu dieser „Weimarer Tradition“ die von Nietzsches Freund <a href="Franz_Overbeck" title="Franz Overbeck">Franz Overbeck</a> begründete „<a href="Nietzsche-Archiv#Das_Basler_„Gegenarchiv“" title="Nietzsche-Archiv">Basler Tradition</a>“ des Umgangs mit Nietzsches Schriften und Nachlass heraus.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vielfältige_Wirkung"><span id="Vielf.C3.A4ltige_Wirkung"></span>Vielfältige Wirkung</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Aufnahme_in_Kunst_und_Gesellschaft">Aufnahme in Kunst und Gesellschaft</h4></div>

<p>Im Umkreis der ersten Nietzsche-Rezeption sind etwa <a href="Harry_Graf_Kessler" title="Harry Graf Kessler">Harry Graf Kessler</a>, <a href="Lou_Andreas_Salom%C3%A9" class="mw-redirect" title="Lou Andreas Salomé">Lou Andreas Salomé</a>, <a href="Rudolf_Steiner" title="Rudolf Steiner">Rudolf Steiner</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <a href="Julius_Langbehn" title="Julius Langbehn">Julius Langbehn</a> zu finden. In der Umbruchszeit um die Jahrhundertwende lasen viele aus Nietzsches Werk vor allem einen <a href="Kulturpessimismus" title="Kulturpessimismus">kulturpessimistischen</a> Ansatz. Es kam zeitweise zu einem regelrechten Nietzsche-Kult, der auch außerhalb Deutschlands, besonders in Frankreich und Italien, Anhänger fand. <a href="Marcel_Proust" title="Marcel Proust">Marcel Proust</a> lässt in seinem Roman <i><a href="Auf_der_Suche_nach_der_verlorenen_Zeit" title="Auf der Suche nach der verlorenen Zeit">Auf der Suche nach der verlorenen Zeit</a></i> bildungsbürgerliche Salongespräche im Paris der späten 1880er Jahre um Nietzsche und Wagner kreisen.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sowohl in fortschrittlichen und <a href="Avantgarde" title="Avantgarde">avantgardistischen</a> als auch in konservativen Kreisen fand Nietzsche in ganz Europa erklärte Anhänger ebenso wie radikale Gegner. Die Breite der Rezeption schon vor dem <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkrieg</a> charakterisierte 1922 <a href="Ernst_Troeltsch" title="Ernst Troeltsch">Ernst Troeltsch</a>:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„[…] schon seinerzeit war es üblich, dass alles von der Theologie bis zum Freidenkertum, vom Kapitalismus bis zum Sozialismus, vom Konservatismus bis zum Bolschewismus, vom Internationalismus bis zum Nationalismus, vom Atheismus bis zur Anthropologie mit Strömen aus Nietzsche flott und mit Zitaten aus ihm geistreich gemacht zu werden pflegt.“<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Im <a href="Erster_Weltkrieg" title="Erster Weltkrieg">Ersten Weltkrieg</a> änderte sich diese Wahrnehmung: auf deutscher Seite fanden die vom Archiv autorisierten Kriegsausgaben ausgewählter Nietzsche-Texte reißenden Absatz – redensartlich hatte jeder deutsche Soldat „den Zarathustra im Tornister“ –, während umgekehrt in britischer, französischer und US-amerikanischer Kriegspropaganda Nietzsche als Vordenker des deutschen Weltmachtstrebens und der brutalen deutschen Kriegsführung dargestellt wurde.
</p><p>Von der poetischen Sprache in <i>Also sprach Zarathustra</i> waren von Anfang an vor allem Künstler tief beeindruckt; sehr bekannt ist <a href="Richard_Strauss" title="Richard Strauss">Richard Strauss</a>’ <a href="Also_sprach_Zarathustra_(Strauss)" title="Also sprach Zarathustra (Strauss)">gleichnamige Komposition</a>. Weitere Bewunderer Nietzsches waren <a href="Hans_Olde" title="Hans Olde">Hans Olde</a>, <a href="Henry_van_de_Velde" title="Henry van de Velde">Henry van de Velde</a> und <a href="Edvard_Munch" title="Edvard Munch">Edvard Munch</a>. Das Nietzschebuch <a href="Ernst_Bertram_(Schriftsteller)" title="Ernst Bertram (Schriftsteller)">Ernst Bertrams</a> und die Deutung Nietzsches als <a href="Mystiker" class="mw-redirect" title="Mystiker">mystischer</a> Dichter, wie sie besonders vom <a href="George-Kreis" title="George-Kreis">George-Kreis</a> vertreten wurde, waren nach dem Ersten Weltkrieg zentral und wirkten etwa auf <a href="Rainer_Maria_Rilke" title="Rainer Maria Rilke">Rainer Maria Rilke</a>, <a href="Hugo_von_Hofmannsthal" title="Hugo von Hofmannsthal">Hugo von Hofmannsthal</a>, <a href="Christian_Morgenstern" title="Christian Morgenstern">Christian Morgenstern</a>, <a href="Heinrich_Mann" title="Heinrich Mann">Heinrich Mann</a>, <a href="Thomas_Mann" title="Thomas Mann">Thomas Mann</a>, <a href="Hermann_Hesse" title="Hermann Hesse">Hermann Hesse</a>, <a href="Hugo_Ball" title="Hugo Ball">Hugo Ball</a>, <a href="Gottfried_Benn" title="Gottfried Benn">Gottfried Benn</a>, <a href="Gabriele_D%E2%80%99Annunzio" title="Gabriele D’Annunzio">Gabriele D’Annunzio</a> und <a href="Georges_Bataille" title="Georges Bataille">Georges Bataille</a>. Insbesondere galt Nietzsche als Wegbereiter der <a href="Expressionismus" title="Expressionismus">Expressionisten</a>. Später waren es die Surrealisten, die von Nietzsche begeistert waren und inspiriert wurden. Eine Rezeption zeitgenössischer Künstler zeigte die Ausstellung „Artistenmetaphysik“ (2000/2001) im Haus am Waldsee in Berlin.<sup id="cite_ref-welt-555294_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-welt-555294-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Aufnahme_in_Geistes-_und_Sozialwissenschaften">Aufnahme in Geistes- und Sozialwissenschaften</h4></div>
<p>Erst nach der ersten Welle künstlerischer Nietzsche-Rezeption begannen Teile von Nietzsches Denken auch auf Geistes- und Sozialwissenschaftler zu wirken. Unter den ersten Philosophen im engeren Sinne, die sich mit Nietzsche befassten oder sich sogar auf ihn beriefen, waren etwa <a href="Hans_Vaihinger" title="Hans Vaihinger">Hans Vaihinger</a>, <a href="Alois_Riehl" title="Alois Riehl">Alois Riehl</a> und <a href="Theodor_Lessing" title="Theodor Lessing">Theodor Lessing</a> sowie die Vertreter der <a href="Lebensphilosophie" title="Lebensphilosophie">Lebensphilosophie</a>. In der Soziologie wirkte Nietzsche auf <a href="Ferdinand_T%C3%B6nnies" title="Ferdinand Tönnies">Ferdinand Tönnies</a> und <a href="Max_Weber" title="Max Weber">Max Weber</a>, in der Geschichtstheorie auf <a href="Oswald_Spengler" title="Oswald Spengler">Oswald Spengler</a> und in der Tiefenpsychologie (<a href="Psychoanalyse" title="Psychoanalyse">Psychoanalyse</a>) auf <a href="Sigmund_Freud" title="Sigmund Freud">Sigmund Freud</a> und <a href="Carl_Gustav_Jung" title="Carl Gustav Jung">Carl Gustav Jung</a>.
</p><p>Wiederholt wurde diskutiert, ob Nietzsche überhaupt als Philosoph gelten dürfe. Das Nietzsche-Archiv bestand unbedingt darauf, bezog sich dabei natürlich auf seine eigene Auslegung dieser Philosophie, und versuchte dies – in der Annahme, ein echter Philosoph zeichne sich durch ein System aus – unter anderem durch die erwähnte Herausgabe der systematischen Schrift <i>Der Wille zur Macht</i> zu untermauern. In Literaten- und Künstlerkreisen wurde dagegen der Inhalt von Nietzsches Büchern im Vergleich zu seinem literarischen Stil, insbesondere im <i>Zarathustra</i>, vernachlässigt. Die Nachfolger der erwähnten <i>Basler Interpretation</i>, die ihre anfangs gegen die Nietzsche-Verklärung gerichtete Kritik immer mehr auf Nietzsche selbst ausweiteten, wandten sich ebenfalls gegen die Deutung Nietzsches als systematischer Philosoph. <a href="Josef_Hofmiller" title="Josef Hofmiller">Josef Hofmiller</a> schrieb 1931:<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Was bleibt dann von Nietzsche? Es bleibt genug. Es bleibt mehr und Wertvolleres als ein System, das nie eines war.<br>
Es bleibt der Kritiker und Diagnostiker der Zeit. Es bleibt, nicht im deutschen Wortgebrauch, sondern im französischen, der Moralist: der Miniaturist und Außenseiter der Philosophie, der Aphoristiker. Bleiben werden am längsten die drei mittleren Werke: <i>Menschliches, Allzumenschliches</i>; <i>Morgenröte</i>, <i>Die fröhliche Wissenschaft</i>. Bleiben werden les plus belles pages, wie die Franzosen ihre feinen Auswahlen nennen. Bleiben werden Einzelheiten: Beobachtungen, Einfälle, Gedanken, Stimmungen, Maximen und Reflexionen, insoweit und weil sie unabhängig sind von seinem vermeintlichen System. Bleiben wird der Künstler, bleiben der Dichter.“
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Dennoch begannen immer mehr Philosophen, Nietzsches Denken zu deuten und fortzuführen, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise. In Frankreich bezogen sich die <a href="Existentialismus" title="Existentialismus">Existentialisten</a> auf Nietzsche, in Deutschland einerseits <a href="Martin_Heidegger" title="Martin Heidegger">Martin Heidegger</a>, andererseits auch <a href="Karl_Jaspers" title="Karl Jaspers">Karl Jaspers</a> und der emigrierte <a href="Karl_L%C3%B6with" title="Karl Löwith">Karl Löwith</a>. Heidegger sah in Nietzsche den Vollender der abendländischen <a href="Metaphysik" title="Metaphysik">Metaphysik</a>, in dessen Lehre vom „Willen zur Macht“ sich der <a href="Nihilismus" title="Nihilismus">Nihilismus</a> als Wesen der Metaphysik offenbare.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Jaspers stellt Nietzsche zusammen mit <a href="S%C3%B8ren_Kierkegaard" title="Søren Kierkegaard">Søren Kierkegaard</a> in die Reihe der existentiellen Philosophen und vergleicht beide auch mit <a href="Karl_Marx" title="Karl Marx">Karl Marx</a>. Was man an Nietzsche lernen könne, sei weniger eine Philosophie als das Philosophieren.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Löwith schließlich stellt Nietzsches Bedeutung heraus in der Säkularisierung der Philosophie im 19. Jahrhundert sowie seine antichristliche Weltanschauung, etwa in <i>Also sprach Zarathustra</i>.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch die <i><a href="Kritische_Theorie" title="Kritische Theorie">kritische Theorie</a></i> um <a href="Theodor_W._Adorno" title="Theodor W. Adorno">Theodor W. Adorno</a> und <a href="Max_Horkheimer" title="Max Horkheimer">Max Horkheimer</a> interpretierte Teile von Nietzsches Werk. Der zweite Exkurs <a href="Dialektik_der_Aufkl%C3%A4rung#Exkurs_II:_Juliette_oder_Aufklärung_und_Moral" title="Dialektik der Aufklärung"><i>Juliette oder Aufklärung und Moral</i></a> in der <i><a href="Dialektik_der_Aufkl%C3%A4rung" title="Dialektik der Aufklärung">Dialektik der Aufklärung</a></i>, entstanden zur Zeit der nationalsozialistischen Nietzsche-Vereinnahmung, behandelt Nietzsche ambivalent als denjenigen Philosophen, der „die Wissenschaft beim Wort genommen“ und „den Gedanken der Aufklärung [bis an den] Punkt des Umschlags weitergetrieben“ habe.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Frühe_Kritiker"><span id="Fr.C3.BChe_Kritiker"></span>Frühe Kritiker</h3></div>
<p>Der sozialistische Historiker <a href="Franz_Mehring" title="Franz Mehring">Franz Mehring</a> deutete 1891 Nietzsches Schrift <i>Jenseits von Gut und Böse</i> als <i>Philosophie und Poesie des Kapitalismus</i> und warf Nietzsche vor, das <i>ausbeutende Großkapital mit seinen Lorbeeren</i> zu umkränzen.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nietzsches angeblich bahnbrechende Erkenntnis, dass gerade die bösen Eigenschaften des Menschen wie Habsucht und Herrschsucht zu Hebeln der geschichtlichen Entwicklung geworden seien, findet sich bereits bei <a href="Hegel" class="mw-redirect" title="Hegel">Hegel</a>. Nietzsche schloss daraus aber nicht – so Mehring – auf die historische Bedingtheit von Moral; er sah in der Unterdrückung der Sklaven durch die Herren ein Naturgesetz und wollte die dem entgegenstehende „Sklavenmoral“ der menschlichen „Herdentiere“ vollkommen beseitigen. Nietzsche, so Mehring, predigte den Herren, den „freien Geistern“: Beutet die Sklaven aus, unterjocht sie, tut es ohne schlechtes Gewissen, ohne jeden Gemeinsinn, ohne Rücksicht, ohne Mäßigung, es ist das Beste, was ihr tun könnt!
</p><p>Als 1896 einige nachgelassene Polemiken Nietzsches gegen die <a href="Sozialismus" title="Sozialismus">sozialistische</a> <a href="Arbeiterbewegung" title="Arbeiterbewegung">Arbeiterbewegung</a> veröffentlicht wurden, entdeckte Mehring dort nur eine Ansammlung antisozialistischer Phrasen, wie sie damals gang und gäbe waren; z. B. die These <a href="Heinrich_von_Treitschke" title="Heinrich von Treitschke">Heinrich von Treitschkes</a>, alles würde gut, wenn die Arbeiter sich nur entschließen könnten, einen Lobgesang auf die „fröhliche Armut“ anzustimmen. Den ganzen Sozialismus habe sich Nietzsche offenbar nur dadurch erklären können, dass Sozialisten Menschen mit notorisch finsterem, grüblerischen und gallichten Temperament seien.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im Jahre 1897 kritisierte der <a href="Ludwig_Feuerbach" title="Ludwig Feuerbach">Feuerbach</a>-Anhänger <a href="Julius_Duboc" title="Julius Duboc">Julius Duboc</a> in seiner Schrift <i>Nietzsches Übermenschlichkeit</i> das Nietzschesche „Übermenschentum“ als „Kanaillenaristokratie“, als die Herrschaft einer rücksichtslosen Verbrecherkaste, die nach Überwindung aller moralischen Schranken nur noch ein Recht kenne, das Recht des Stärkeren, des Böseren.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im gleichen Jahr analysierte der Soziologe <a href="Ferdinand_T%C3%B6nnies" title="Ferdinand Tönnies">Ferdinand Tönnies</a> in seiner Schrift <i>Der Nietzsche-Kultus</i> Nietzsches Werke biographisch und teilte sie in drei Phasen ein, die vom inneren Kampf des Künstlers mit dem Wissenschaftler Nietzsche geprägt seien. In der ersten Phase, in der Nietzsche Anhänger Schopenhauers und Wagners war, habe der Künstler dominiert, in der zweiten (<i>Unzeitgemäße Betrachtungen, Die fröhliche Wissenschaft</i>) der Wissenschaftler, in der dritten (<i>Also sprach Zarathustra</i>, <i>Jenseits von Gut und Böse</i>) der an sich und der Welt verzweifelnde Weder-Künstler-noch-Wissenschaftler, der „rasende, heulende und ganz besinnungslose Zarathustra“.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Faschismus_und_Nationalsozialismus">Faschismus und Nationalsozialismus</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Nietzsche-Rezeption_im_Nationalsozialismus" title="Nietzsche-Rezeption im Nationalsozialismus">Nietzsche-Rezeption im Nationalsozialismus</a></i></div>
<p>Obwohl das Thema „Nietzsche und der Nationalsozialismus“, mitunter verkürzt zu „Nietzsche und <a href="Adolf_Hitler" title="Adolf Hitler">Hitler</a>“, in einer Vielzahl von Publikationen von unterschiedlichem Niveau behandelt und wohl jede denkbare Ansicht dazu vertreten worden ist, steht eine systematische Untersuchung der <a href="Nietzsche-Rezeption_im_Nationalsozialismus" title="Nietzsche-Rezeption im Nationalsozialismus">Nietzsche-Rezeption im Nationalsozialismus</a> noch aus.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der einzigen längeren wissenschaftlichen Monographie hierzu<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wird die „positive“ Einschätzung Nietzsches im nationalsozialistischen Deutschland durch <a href="Alfred_Baeumler" title="Alfred Baeumler">Alfred Baeumler</a> der „negativen“ durch <a href="Ernst_Krieck" title="Ernst Krieck">Ernst Krieck</a> gegenübergestellt. Zu einer offenen Diskussion über Nietzsche ist es im Nationalsozialismus aber niemals gekommen.
</p><p>Der deutsche <a href="Nationalsozialismus" title="Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</a> und der <a href="Italienischer_Faschismus" title="Italienischer Faschismus">italienische Faschismus</a> bezogen sich selektiv auf Bruchstücke aus Nietzsches Werk. Besonders <a href="Benito_Mussolini" title="Benito Mussolini">Benito Mussolini</a> war von Nietzsche begeistert und wurde in seiner Lesart aus dem <i>Nietzsche-Archiv</i> bestärkt. Die Rezeption im Nationalsozialismus ist in Teilen auf die schon erwähnten Manipulationen und politische Tendenz von Nietzsches Schwester und dem <i>Nietzsche-Archiv</i> (vergleiche auch <a href="Max_Oehler" title="Max Oehler">Max Oehler</a>) zurückzuführen.
</p><p>In der <a href="Zeit_des_Nationalsozialismus" title="Zeit des Nationalsozialismus">Zeit des Nationalsozialismus</a> und nach dem Tod Förster-Nietzsches 1935 betrieb zuvörderst <a href="Alfred_Baeumler" title="Alfred Baeumler">Alfred Baeumler</a> die Vereinnahmung Nietzsches für das Dritte Reich energisch weiter. Während „der eigentliche Schirmherr der Nietzsche-Bewegung im ‚Dritten Reich‘“<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Alfred_Rosenberg" title="Alfred Rosenberg">Alfred Rosenberg</a> war, stand Alfred Baeumler „[a]m Anfang und im Mittelpunkt der Entwicklung eines positiven Nietzsche-Bildes in der nationalsozialistischen Epoche“.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Baeumler hatte schon Anfang der 1930er Jahre mit seinem Nietzsche-Buch und einer von ihm herausgegebenen Auswahl an Nietzsche-Texten, noch selektiver und tendenziöser als <i>Der Wille zur Macht</i> des Nietzsche-Archivs,<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> die nationalsozialistische Nietzsche-Deutung eingeläutet. Die provozierenden Schlagworte Nietzsches wie „Übermensch“, „Wille zur Macht“, „Herrenmoral“ und nicht zuletzt die „blonde Bestie“ mochten in gewissen Fällen zur Rechtfertigung für eigene Ideen dienen. Für NS-Ideologen waren auch manche Aussagen Nietzsches über <a href="Juden" title="Juden">Juden</a> und <a href="Judentum" title="Judentum">Judentum</a> brauchbar; seine Distanzierung vom <a href="Antisemitenliga" title="Antisemitenliga">Antisemitismus</a> und <a href="Nationalismus" title="Nationalismus">Nationalismus</a> der 1880er Jahre übergingen sie.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zweifelsfrei war Nietzsche aufgrund seiner elitären Gesinnung anti-<a href="Demokratie" title="Demokratie">demokratisch</a> eingestellt. Er glorifizierte Stärke, Kampf, Herrschsucht und Krieg.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Viele heutige Nietzsche-Forscher verstehen seine Bejahung des Krieges nur rein metaphorisch als Krieg der Geister. Im Ersten Weltkrieg und im Nationalsozialismus aber wurde sie wörtlich genommen und zur Legitimierung kriegsbejahender Politik herangezogen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Nach_1945">Nach 1945</h3></div>
<p>Nach 1945 galt Nietzsche nicht nur im Ausland, wo er in der Kriegspropaganda erneut verteufelt worden war, sondern auch in Deutschland zunächst als Nazi-Philosoph. Bemerkenswert ist deshalb der Essay <i><a href="Nietzsches_Philosophie_im_Lichte_unserer_Erfahrung" title="Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung">Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung</a></i> von <a href="Thomas_Mann" title="Thomas Mann">Thomas Mann</a>, in welchem er 1947 die nationalsozialistische Vereinnahmung Nietzsches zurückwies, sich aber zugleich von seiner eigenen früheren Nietzsche-Verehrung distanzierte.
</p><p>In den Staaten des <a href="Ostblock" title="Ostblock">Ostblocks</a> wurde Nietzsche fast überhaupt nicht rezipiert. <a href="Georg_Luk%C3%A1cs" title="Georg Lukács">Georg Lukács</a> reihte ihn 1954 in die „<a href="Irrationalismus" title="Irrationalismus">irrationalistische</a>“ bürgerliche Philosophie Deutschlands ein, die durch <i>Zerstörung der Vernunft</i> dem <a href="Faschismus" title="Faschismus">Faschismus</a> und Nationalsozialismus den Weg bereitet habe.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese These wurde gewissermaßen offiziell: Bis zum Ende der DDR ist dort, von einer Faksimileausgabe des <i>Ecce homo</i> (<a href="Edition_Leipzig" title="Edition Leipzig">Edition Leipzig</a> 1985) abgesehen, keine Schrift Nietzsches erschienen. Als es 1986/87 in der Zeitschrift <i><a href="Sinn_und_Form" title="Sinn und Form">Sinn und Form</a></i> zu einer Debatte um das neue Nietzsche-Bild im Westen kam, wiederholte und verschärfte <a href="Wolfgang_Harich" title="Wolfgang Harich">Wolfgang Harich</a> das Verdikt über Nietzsche: „<i>Ins Nichts mit ihm!</i>“<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im Westen war schon bald nach dem Krieg besonders in Frankreich, dann auch in Italien und anderen Ländern neues Interesse an Nietzsches Philosophie gewachsen. Der zu der Zeit einflussreiche <a href="Existentialismus" title="Existentialismus">Existentialismus</a> um <a href="Jean-Paul_Sartre" title="Jean-Paul Sartre">Jean-Paul Sartre</a> und <a href="Albert_Camus" title="Albert Camus">Albert Camus</a> zog wichtige Anregungen aus seinem Denken. Dem englischen Sprachraum versuchte <a href="Walter_Kaufmann_(Philosoph)" title="Walter Kaufmann (Philosoph)">Walter Kaufmann</a> den Zugang zu Nietzsches Werk zu verschaffen und dabei gleichzeitig nachzuweisen, dass die Berufung des Nationalsozialismus auf Nietzsche zu Unrecht erfolgt war. Kaufmann rückte Nietzsche in die Nähe von <a href="Sokrates" title="Sokrates">Sokrates</a> und wies Beziehungen von dessen Philosophie zu der von <a href="Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel" title="Georg Wilhelm Friedrich Hegel">Hegel</a> auf. Kaufmanns Nietzsche-Bild ist besonders in den USA bis heute wirkmächtig, wurde jedoch auch als zu schönfärberisch kritisiert.
</p><p>Mitte der 1950er Jahre wurde im Rahmen einer dreibändigen Ausgabe von <a href="Karl_Schlechta_(Philosoph)" title="Karl Schlechta (Philosoph)">Karl Schlechta</a> zum ersten Mal die verfälschende Tätigkeit des <i>Nietzsche-Archivs</i> einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Schlechta beanspruchte für sich, als erster Werk und Teile des Nachlasses nach anerkannten <a href="Literaturwissenschaft" title="Literaturwissenschaft">literaturwissenschaftlichen</a> Methoden herauszugeben. Allerdings wurde auch seine Ausgabe als mangelhaft kritisiert. Unterdessen sahen etwa Karl Löwith und <a href="J%C3%BCrgen_Habermas" title="Jürgen Habermas">Jürgen Habermas</a> Nietzsches Wirkung auf Philosophie und Zeitgeist zu Ende gehen:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Es ist […] zu vermuten, daß Nietzsche endgültig reif zur Sektion sein wird, wenn diese neue Ausgabe [sc. die Colli-Montinari-Ausgabe] fertig sein wird.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .Person{font-variant:small-caps}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card">Löwith, 1964<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></span></div></div>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Nietzsches Werk hat zwischen den Kriegen, zumal in Deutschland, eine eigentümliche Faszination ausgeübt. […] Nietzsche hat damals eine Mentalität geprägt und verstärkt […] Das alles liegt hinter uns und ist fast schon unverständlich geworden. Nietzsche hat nichts Ansteckendes mehr.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <span class="Person h-card">Habermas, 1968<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></span></div></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Seit_den_1970er_Jahren">Seit den 1970er Jahren</h3></div>
<p>Der italienische Philosoph <a href="Giorgio_Colli" title="Giorgio Colli">Giorgio Colli</a> und sein Schüler, der Germanist <a href="Mazzino_Montinari" title="Mazzino Montinari">Mazzino Montinari</a>, entschlossen sich nach Durchsicht sämtlicher Materialien 1962, statt einer geplanten italienischen Übersetzung eine vollständig neue <i>Kritische Gesamtausgabe</i> (<i>KGW</i>) herauszugeben, die von 1967 bis 1980 erschien. 1972 wurden zudem die jährlich erscheinenden <i>Nietzsche-Studien</i> gegründet. <a href="Curt_Paul_Janz" title="Curt Paul Janz">Curt Paul Janz</a> gab 1975 den musikalischen Nachlass Nietzsches heraus und veröffentlichte 1979 eine dreibändige Biographie, die viele Materialien zum Leben Nietzsches erstmals publizierte. Colli, Montinari und ihre Nachfolger begannen zudem mit der kritischen Ausgabe der Briefe (<i>KGB</i>).
</p><p>In die Zeit der 1970er Jahre fällt auch eine Welle der Nietzsche-Interpretationen in der neueren französischen Philosophie. Nietzsche diente bestimmten philosophischen Ansätzen, welche üblicherweise der Strömung des <a href="Poststrukturalismus" title="Poststrukturalismus">Poststrukturalismus</a> zugeordnet werden, etwa <a href="Jacques_Derrida" title="Jacques Derrida">Jacques Derridas</a> <a href="Dekonstruktion" title="Dekonstruktion">Dekonstruktion</a>, als Inspirationsquelle. Weitere solche französischen Autoren, die sich auf Nietzsche bezogen und sein Werk neu interpretierten, waren <a href="Michel_Foucault" title="Michel Foucault">Michel Foucault</a><sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, <a href="Gilles_Deleuze" title="Gilles Deleuze">Gilles Deleuze</a>, <a href="F%C3%A9lix_Guattari" title="Félix Guattari">Félix Guattari</a> und <a href="Pierre_Klossowski" title="Pierre Klossowski">Pierre Klossowski</a>. Über poststrukturalistische Ansätze wurden Teile von Nietzsches Denken auch erneut in die US-amerikanische Philosophie eingeführt, etwa bei <a href="Richard_Rorty" title="Richard Rorty">Richard Rorty</a>. Weitere wichtige Personen in der US-amerikanischen Wirkungsgeschichte sind <a href="Arthur_C._Danto" title="Arthur C. Danto">Arthur C. Danto</a> und <a href="Alexander_Nehamas" title="Alexander Nehamas">Alexander Nehamas</a>. In Italien hat beispielsweise <a href="Gianni_Vattimo" title="Gianni Vattimo">Gianni Vattimo</a> den Versuch unternommen, Gedanken Nietzsches und Heideggers aufzugreifen und damit die <a href="Postmoderne" title="Postmoderne">Postmoderne</a> philosophisch zu deuten. Auch in Korea gibt es eine Nietzsche-Gesellschaft, die eine eigene Fachzeitschrift (Nietzsche Younku) veröffentlicht.<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Mit dem Erscheinen der 15-bändigen <i>Kritischen Studienausgabe</i> (<i>KSA</i>) im Jahr 1980, die textidentisch mit der KGW sämtliche philosophische Werke und Nachlass Nietzsches ab 1869 umfasst, liegt zum ersten Mal eine vollständige unverfälschte Ausgabe der Schriften Nietzsches vor. Die KSA gilt heute als Standardausgabe; Jugendschriften, Philologica und ein erweiterter Apparat sind in der KGW zu finden. Heute gibt es auch digitalisierte Ausgaben von Werk, Briefen und Nachlass. Vor allem der 1986 verstorbene Mazzino Montinari hat als <a href="Spiritus_rector" title="Spiritus rector">spiritus rector</a> der kritischen Gesamtausgaben, Gründer und Beiträger der <i>Nietzsche-Studien</i> zu einem neuen Nietzsche-Bild beigetragen.
</p><p>Die früheren, oft sehr unterschiedlichen und widersprüchlichen Nietzsche-Interpretationen bei den genannten Personen werden heute z.&nbsp;T. skeptisch gesehen. Die Widersprüche von Nietzsches Aussagen lösen sich nach <a href="Werner_Stegmaier" title="Werner Stegmaier">Werner Stegmaiers</a> „kontextueller Interpretation“ dann auf, wenn sie in den schriftstellerischen Kontexten verstanden werden, in die Nietzsche sie stellte.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Besondere Beachtung findet weiterhin Nietzsches Vorwegnahme von sprach- und philosophiekritischen Ansätzen des 20. Jahrhunderts, seine Kritik am Wahrheitsbegriff und sein <a href="Perspektivismus" title="Perspektivismus">Perspektivismus</a>. Häufige Bezugnahmen finden sich seit den 1980er Jahren auch im <a href="Transhumanismus" title="Transhumanismus">Transhumanismus</a>, unter anderem bei Max More und <a href="Stefan_Lorenz_Sorgner" title="Stefan Lorenz Sorgner">Stefan Lorenz Sorgner</a>. Affirmative transhumanistische Rekurse auf Nietzsches <a href="%C3%9Cbermensch" title="Übermensch">Übermensch</a> werden teilweise als reduktionistisch und als Resultat einer oberflächlichen Lektüre Nietzsches kritisiert, unter anderem von <a href="J%C3%B6rg_Scheller" title="Jörg Scheller">Jörg Scheller</a>: „Jene Extropianisten ..., die für ihr Übermenschenprojekt immer auch (überwiegend utilitaristische) Ethik, Werte, Moral in Anschlag bringen ..., stehen ... eher in der Tradition jener, die im Ecce Homo als ‚die Guten, die Wohlwollenden, Wohltäthigen‘ denunziert werden: als kryptoreligiöse Idealisten.“<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Stefan Lorenz Sorgner hingegen verficht ein Ideal des Übermenschen als „weiterentwickelte[r] Mensch“ im Kontext eines „schwachen anti-utopischen Transhumanismus.“<sup id="cite_ref-29" class="reference"><a href="#cite_note-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In jüngster Zeit ist im deutschsprachigen Raum Nietzsches Christentums- und Religionskritik wieder stärker herausgestellt worden, so in Werken von <a href="Johann_Figl" title="Johann Figl">Johann Figl</a>, Jörg Salaquarda und <a href="Andreas_Urs_Sommer" title="Andreas Urs Sommer">Andreas Urs Sommer</a>. Deren biographisch-psychologische Ursprünge hat <a href="Hermann_Josef_Schmidt" title="Hermann Josef Schmidt">Hermann Josef Schmidt</a> in einer monumentalen Studie über Nietzsches Kindheit und Jugend freizulegen versucht.<sup id="cite_ref-30" class="reference"><a href="#cite_note-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ein weiterer Bereich der jüngeren Nietzscheforschung ist die Auffindung und Auswertung der von Nietzsche benutzten Quellen.
</p><p>Die in den 1920er und 1930er Jahren weit verbreitete These, Adolf Hitler sei wie Benito Mussolini ein überzeugter <i>Nietzsche-Anhänger</i> gewesen, wurde neuerdings wieder (2016) von dem Politologen und Kriminologen Michael Günther in seinem Werk <i>Hitler und Nietzsche</i> in die Diskussion eingeführt. Günther versucht nachzuweisen, dass Friedrich Nietzsche de facto auf einen „neuen Napoleon“ und auf ein „Führer-Thier“ nach Art Hitlers hingearbeitet habe, um seine revolutionäre „Umwertung aller Werte“ durchzusetzen – und damit teilweise erfolgreich gewesen sei. Dabei wird Friedrich Nietzsche als ein Propagandist einer „Revolution von oben“ direkt Karl Marx’ klassenkämpferischem Ansatz gegenübergestellt – ein Gedankenansatz, der im Prinzip auch schon bei Ernst Sandvoss in den 1960er Jahren zu finden ist. Ob sich dieser seit Jahrzehnten verschüttete Gedankengang durchsetzt, oder zumindest zu neuerlichen Diskursen führt, bleibt abzuwarten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Friedrich-Nietzsche-Preis" title="Friedrich-Nietzsche-Preis">Friedrich-Nietzsche-Preis</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Steven_E._Aschheim" title="Steven E. Aschheim">Steven E. Aschheim</a>: <i>Nietzsche und die Deutschen. Karriere eines Kults.</i> Stuttgart 1996 (engl. Orig. 1992)</li>
<li>Michael Günther: <i>Hitler und Nietzsche oder wie ein Philosoph doch noch Geschichte machte. Eine kriminalsoziologische Studie</i>, Deutscher Wissenschaftsverlag, Baden-Baden 2016</li>
<li>Andreas Heyer; Matthias Steinbach: <i>„Ins Nichts mit ihm!“ Ins Nichts mit ihm? Zur Rezeption Friedrich Nietzsches in der DDR</i>, „Helle Panke“ e. V., „Philosophische Gespräche“, Heft 43, Berlin 2016</li>
<li>Thomas Körber: <i>Nietzsche nach 1945: zu Werk und Biographie Friedrich Nietzsches in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur</i>. Königshausen &amp; Neumann, Würzburg 2006, ISBN 978-3-8260-3220-2</li>
<li><a href="Richard_Krummel" title="Richard Krummel">Richard Krummel</a>: <i><a href="Nietzsche_und_der_deutsche_Geist" title="Nietzsche und der deutsche Geist">Nietzsche und der deutsche Geist</a>. Bibliographie.</i> 4. Bde., Berlin 1998–2006</li>
<li><a href="Georg_Luk%C3%A1cs" title="Georg Lukács">Georg Lukács</a>: <i>Von Nietzsche zu Hitler – oder: Der Irrationalismus in der deutschen Politik.</i> Frankfurt 1966</li>
<li>Dominique F. Miething: <i>Anarchistische Deutungen der Philosophie Friedrich Nietzsches. Deutschland, Großbritannien, USA (1890-1947)</i>. Baden-Baden: Nomos. 2016. ISBN 978-3-8487-3711-6. <a href="https://doi.org/10.5771/9783845280127" class="extiw external" title="doi:10.5771/9783845280127">DOI</a>.</li>
<li><a href="Ernst_Nolte" title="Ernst Nolte">Ernst Nolte</a>: <i>Nietzsche und der Nietzscheanismus.</i> Herbig, München 1990; erw. Neuauflage 2000</li>
<li>Julia Maria Pollich: <i>Mensch ohne Gott, vergöttlichter Mensch. Nietzsches Denken in philosophischer Reflexion und narrativer Praxis des 20. Jahrhunderts: Pirandello, Unamuno, Bataille und Sollers</i>, transcript Verlag, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-4969-7</li>
<li><a href="Manfred_Riedel" title="Manfred Riedel">Manfred Riedel</a>: <i>Nietzsche in Weimar. Ein deutsches Drama.</i> Reclam, Leipzig 1997</li>
<li><a href="Alfons_Reckermann" title="Alfons Reckermann">Alfons Reckermann</a>: <i>Lesarten der Philosophie Nietzsches: ihre Rezeption und Diskussion in Frankreich, Italien und der angelsächsischen Welt 1960-2000</i>. de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3-11-017452-6</li>
<li><a href="Renate_Reschke_(Philosophin)" title="Renate Reschke (Philosophin)">Renate Reschke</a>, Marco Brusotti: <i>„Einige werden posthum geboren.“ Friedrich Nietzsches Wirkungen</i>. de Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-026087-8.</li>
<li>Ernst Sandvoss: <i>Hitler und Nietzsche. Eine bewußtseinsgeschichtliche Studie.</i> Göttingen 1969.</li>
<li><a href="Andreas_Urs_Sommer" title="Andreas Urs Sommer">Andreas Urs Sommer</a>: <i>Nietzsche und die Folgen</i>. 2., erweiterte Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 2019. ISBN 978-3-476-05545-3.</li>
<li><a href="Werner_Stegmaier" title="Werner Stegmaier">Werner Stegmaier</a>, <a href="Daniel_Krochmalnik" title="Daniel Krochmalnik">Daniel Krochmalnik</a> (Hrsg.): <i>Jüdischer Nietzscheanismus</i>. de Gruyter, Berlin 1997, ISBN 978-3-11-015361-3</li>
<li><a href="Bernhard_Taureck" class="mw-redirect" title="Bernhard Taureck">Bernhard Taureck</a>: <i>Nietzsche und der Faschismus. Ein Politikum.</i> Leipzig 2000</li>
<li><a href="Ferdinand_T%C3%B6nnies" title="Ferdinand Tönnies">Ferdinand Tönnies</a>: <i>Der Nietzsche-Kultus.</i> Zuerst 1897. Neu hrsg. v. G. Rudolph, Berlin 1990</li>
<li>Philipp von Wussow: <i>Übervolk.</i> In: <a href="Dan_Diner" title="Dan Diner">Dan Diner</a> (Hrsg.): <i>Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur</i> (EJGK). Band 6: <i>Ta–Z.</i> Metzler, Stuttgart/Weimar 2015, ISBN 978-3-476-02506-7, S. 201–207.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>Alexander Amberger: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.nd-aktuell.de/artikel/1146128.friedrich-nietzsche-der-menschenfeindlichste-ideologe.html">Der menschenfeindlichste Ideologe? Wolfgang Harich und der Streit um Friedrich Nietzsche in der DDR</a>, in: nd, 23. Dezember 2020, S. 9</li>
<li>Renate Müller-Buck: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.associazioneitalianagermanistica.it/rivista_aig/baig3/Zu%20Otto%20Dix%27%20Nietzsche-Rezeption.pdf">Zu Otto Dix’ Nietzsche-Rezeption</a></li>
<li><a href="Christian_Niemeyer_(Erziehungswissenschaftler)" title="Christian Niemeyer (Erziehungswissenschaftler)">Christian Niemeyer</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.pedocs.de/volltexte/2012/5947/pdf/ZfPaed_1999_2_Niemeyer_Pluendernde_Soldaten.pdf">„Plündernde Soldaten“. Die pädagogische Nietzsche-Rezeption im Ersten Weltkrieg</a>, Zeitschrift für Pädagogik 45 (1999) 2, S. 209–229</li>
<li>Hans Rudolf Vaget: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.klassik-stiftung.de/uploads/tx_lombkswdigitaldocs/Nietzsche_2009_Vaget.pdf">»Schicksalsgeist«. Zu Thomas Manns Nietzsche-Rezeption in der Weimarer Republik</a>, in: Thorsten Valk (Hrsg.): Friedrich Nietzsche und die Literatur der klassischen Moderne. De Gruyter, Berlin 2009</li>
<li><a href="Helmuth_Vetter" title="Helmuth Vetter">Helmuth Vetter</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://sammelpunkt.philo.at:8080/975/1/HeidNietzsche.pdf">Heideggers Annäherung an Nietzsche bis 1930</a> (PDF; 149&nbsp;kB)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Rudolf Steiner: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://anthroposophie.byu.edu/schriften/005.pdf"><i>Nietzsche – Ein Kämpfer gegen seine Zeit.</i></a> (PDF; 729&nbsp;kB) 1895.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Etwa in dem (vor 1913 geschriebenen) Kapitel <i>Autour de Mme Swann</i> zu Beginn des zweiten Bandes der Recherche, <i>À l’ombre des jeunes filles en fleurs</i> („Im Schatten junger Mädchenblüte“).</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Ernst Troeltsch: Gesammelte Schriften, Band 3: Der Historismus und seine Probleme, 1. Buch: Das logische Problem der Geschichtsphilosophie, Mohr Siebeck, Tübingen 1922, 506</span>
</li>
<li id="cite_note-welt-555294-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-welt-555294_4-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Corinna Daniels: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.welt.de/print-welt/article555294/Zarathustra-im-Niemandsland.html"><i>Zarathustra im Niemandsland.</i></a> In: <i><a href="Die_Welt#Online-Ausgabe" title="Die Welt">welt.de</a>.</i> 27.&nbsp;Dezember 2000,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 7.&nbsp;Oktober 2018</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ANietzsche-Rezeption&amp;rft.title=Zarathustra+im+Niemandsland&amp;rft.description=Zarathustra+im+Niemandsland&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.welt.de%2Fprint-welt%2Farticle555294%2FZarathustra-im-Niemandsland.html&amp;rft.creator=Corinna+Daniels&amp;rft.date=2000-12-27">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Hofmiller, Josef: <i>Nietzsche</i> In: <i>Süddeutsche Monatshefte</i>, 29. Jahrgang, Heft 2 (November 1931), S. 131; zustimmend zitiert von Podach, Erich in <i>Ein Blick in Notizbücher Nietzsches</i>, Heidelberg 1963, S. 10&nbsp;f.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Heidegger, Martin: <i>Nietzsche</i>. Zwei Bände, Pfullingen 1961. Eine einführende Zusammenfassung von Heideggers Nietzsche-Deutung ist auch sein Text <i>Nietzsches Wort «Gott ist tot»</i> In: <i>Holzwege</i>. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1950. Dabei ist Heideggers Nietzsche-Deutung uneinheitlich. Zwischen der Rektoratsrede (1933) und noch im ersten Band der Nietzsche-Interpretation stellt sich Heidegger hinter Nietzsches Willensphilosophie, im zweiten Band ist es dann gerade der Wille, der die Offenheit verhindert und ein neues Denken unmöglich macht. Im WS 1938/39 veranstaltete er ein Seminar über Nietzsche. Martin Heidegger: <i>Zur Auslegung von Nietzsches II. Unzeitgemäßer Betrachtung.</i> Bd. 46 der Gesamtausgabe, hrsg. von Hans-Joachim Friedrich. Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2003.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Karl Jaspers: <i>Nietzsche. Einführung in das Verständnis seines Philosophierens</i>. de Gruyter, Berlin und New York 1981 (Erstauflage 1935), ISBN 3-11-008658-1.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">In der Gesamtausgabe von Löwiths <i>Sämtlichen Schriften</i>, Stuttgart 1981–1988, s. besonders Band 4: <i>Von Hegel zu Nietzsche</i> und Band 6: <i>Nietzsche</i>.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: <i>Dialektik der Aufklärung</i>. Taschenbuchausgabe, Fischer, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-596-27404-4, Zitate S. 127 und 123</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Franz Mehring: Philosophische Aufsätze. Berlin/DDR 1961, S. 159–166</span>
</li>
<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Franz Mehring: Philosophische Aufsätze. Berlin/DDR 1961, S. 167–172</span>
</li>
<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Zitiert bei Franz Mehring: Philosophische Aufsätze. Berlin/DDR 1961, S. 174&nbsp;f.</span>
</li>
<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">Zitiert bei Franz Mehring: Philosophische Aufsätze. Berlin/DDR 1961, S. 175–181</span>
</li>
<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text">Steven Aschheim, <i>Nietzsche und die Deutschen. Karriere eines Kults.</i> Stuttgart 1996 (engl. Orig. 1992), S. 252. Aschheims Buch selbst ist ebenso wie <a href="Richard_Frank_Krummel" class="mw-redirect" title="Richard Frank Krummel">Richard Frank Krummels</a> <i><a href="Nietzsche_und_der_deutsche_Geist" title="Nietzsche und der deutsche Geist">Nietzsche und der deutsche Geist</a></i> vor allem eine Materialsammlung.</span>
</li>
<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text">Langreder, Hans: <i>Die Auseinandersetzung mit Nietzsche im dritten Reich</i>, Dissertation an der Universität Kiel, 1971. Steven Aschheim, <i>Nietzsche und die Deutschen. Karriere eines Kults.</i> Stuttgart 1996 (engl. Orig. 1992), S. 252, nennt diese Schrift als einzige Ausnahme, hält sie aber für unzureichend.</span>
</li>
<li id="cite_note-16"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-16">↑</a></span> <span class="reference-text">Langreder, Hans: <i>Die Auseinandersetzung mit Nietzsche im dritten Reich</i>, Dissertation an der Universität Kiel, 1971, S. 59</span>
</li>
<li id="cite_note-17"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-17">↑</a></span> <span class="reference-text">Langreder, Hans: <i>Die Auseinandersetzung mit Nietzsche im dritten Reich</i>, Dissertation an der Universität Kiel, 1971, S. 71</span>
</li>
<li id="cite_note-18"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-18">↑</a></span> <span class="reference-text">Josef Hofmiller: <i>Nietzsche</i> In: <i>Süddeutsche Monatshefte</i>, 29. Jahrgang, Heft 2 (November 1931), S. 128: „Baeumler hat in seiner Ausgabe […] das zusammengestellt, was man den faschistischen Nietzsche nennen könnte. Genau so könnte man einen bolschewistischen Nietzsche herausgeben“. Siehe auch Mazzino Montinari: <i>Nietzsche zwischen Alfred Baeumler und Georg Lukács</i>. in: ders.: <i>Nietzsche lesen</i>, S. 169–206.</span>
</li>
<li id="cite_note-19"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-19">↑</a></span> <span class="reference-text">Zu Nietzsches zwiespältiger Haltung zum Judentum vgl. Thomas Mittmann: <i>Friedrich Nietzsche. Judengegner und Antisemitenfeind.</i> Erfurt: Alan Sutton 2001</span>
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<li id="cite_note-20"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-20">↑</a></span> <span class="reference-text">F. Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Dritter Teil. Von den drei Bösen, 2: <i>Herrschsucht: die Glüh-Geißel der härtesten Herzensharten… Herrschsucht: das Erdbeben, das alles Morsche und Höhlichte bricht und aufbricht; die rollende grollende strafende Zerbrecherin übertünchter Gräber; das blitzende Fragezeichen neben vorzeitigen Antworten.</i> – Ebenda, Die Reden Zarathustras, Vom Krieg und Kriegsvolke: <i>Ihr sagt, die gute Sache sei es, die sogar den Krieg heilige? Ich sage euch: der gute Krieg ist es, der jede Sache heiligt.</i></span>
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<li id="cite_note-21"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-21">↑</a></span> <span class="reference-text">Georg Lukács: <i>Von Nietzsche zu Hitler</i> in ders.: <i>Die Zerstörung der Vernunft</i>. Berlin (Ost): Aufbau-Verlag 1954</span>
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<li id="cite_note-22"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-22">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Harich: <i>Revision des marxistischen Nietzsche-Bildes?</i> In: <i>Sinn und Form</i> 5/1987, S. 1018–1053, hier S. 1053</span>
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<li id="cite_note-23"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-23">↑</a></span> <span class="reference-text">Karl Löwith: <i>Erich F. Podach: Nietzsches Werke des Zusammenbruchs und Ein Blick in Notizbücher Nietzsches</i> (Rezension), in: <i>Die neue Rundschau</i> Nr. 75 (1964), S.&nbsp;162–168, zitiert nach Karl Löwith, <i>Sämtliche Schriften</i> Band 6, S. 534</span>
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<li id="cite_note-24"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-24">↑</a></span> <span class="reference-text">Jürgen Habermas: <i>Nachwort</i> In: <i>Friedrich Nietzsche: Erkenntnistheoretische Schriften</i>, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, S.&nbsp;237–261, hier S.&nbsp;237</span>
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<li id="cite_note-25"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-25">↑</a></span> <span class="reference-text">Zu Foucaults Nietzsche-Rezeption s. etwa Michel Foucault: <i>Nietzsche, die Genealogie, die Historie</i>. In: Michel Foucault: <i>Von der Subversion des Wissens</i>. Fischer, Frankfurt am Main 1996, S. 69–90.</span>
</li>
<li id="cite_note-26"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-26">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Choung, Dong-Ho, Nietzsche in Korea, Nietzsche-Studien 25, 1996, S. 380–391</span>
</li>
<li id="cite_note-27"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-27">↑</a></span> <span class="reference-text">Werner Stegmaier: <i>Nietzsches Befreiung der Philosophie. Kontextuelle Interpretation des V. Buchs der Fröhlichen Wissenschaft.</i> Berlin/Boston: de Gruyter 2012.</span>
</li>
<li id="cite_note-28"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-28">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external free" href="https://www.nietzsche-poparts.ch/posts/seht-ich-lehre-euch-den-transhumanisten">https://www.nietzsche-poparts.ch/posts/seht-ich-lehre-euch-den-transhumanisten</a></span>
</li>
<li id="cite_note-29"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-29">↑</a></span> <span class="reference-text">Stefan Lorenz Sorgner: <i>Übermensch. Plädoyer für einen Nietzscheanischen Transhumanismus.</i> Basel 2019, S. 99</span>
</li>
<li id="cite_note-30"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-30">↑</a></span> <span class="reference-text">Hermann Josef Schmidt: <i>Nietzsche absconditus oder Spurenlesen bei Nietzsche.</i> Berlin/Aschaffenburg 1991–1994, 4 Bände (ca. 2500 S.)</span>
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